Ein langer Weg zum Aufschwung im Immobiliensektor

Der Immobiliensektor in Europa sollte im Jahr 2010  eine Erholung erleben, insbesondere aufgrund eines leichteren Zugangs zu Fremdfinanzierung und stabilerer Immobilienpreise. Der Weg zum Aufschwung ist für diesen Sektor jedoch weiterhin lang, wie die siebte Auflage der Studie Emerging Trends in Real Estate® Europe 2010, die von dem Urban Land Institute in Zusammenarbeit mit PricewaterhouseCoopers veröffentlicht wird, zeigt, auch wenn München, Hamburg, Paris und Londo die besten Renditemöglichkeiten vorhergesagt wird werden - ein Trend, der auch in Luxemburg festgestellt wird.

In diesem Jahr geht der Trend zu einem vorsichtigen Optimismus, betont Amaury Evrard, Real Estate Leader bei PricewaterhouseCoopers Luxembourg. Die Stimmungslage in Bezug auf die Investitionsaussichten hat sich stabilisiert, und obwohl die Einschätzungen zur Entwicklung nicht optimistisch sind, ist die Marktlage weniger verheerend als angenommen. Der Schlüsselfaktor  ist diewirtschaftliche Situation der Mieter.Bewohnern. Die Investoren sind nervös und konzentrieren sich auf fest etablierte und liquide Märkte.“

Für die siebte Auflage dieses Berichts wurden Umfragen und Interviews mit mehr als 600 Geschäftsführern aus diesem Sektor durchgeführt, darunter Investoren, Initiatoren, Finanziers und Immobilienmanager“, erläutert Kees Hage, Global Real Estate Leader von PricewaterhouseCoopers und einer der Verantwortlichen dieser Studie.

Die Studie wirft ebenfalls das drohende Problem der Refinanzierung der Immobilienschulden auf, die sich auf hunderte Milliarden Euro belaufen, erklärt David Roach, Tax Partner bei PricewaterhouseCoopers Luxembourg. Die Akteure des Sektors erwarten dien Entwicklungen mit Spannung, da die Reaktion der  Finanzinstitutebislang schwer einzuschätzen ist. 
Die Ungewissheit wird durch ie Frage verstärkt, wann und wie die verschiedenen europäischen Regierungen ihre Finanzhilfen einstellen und die Zuführung umfangreicher Gelder beenden werden. Die Studie besagt, dass ein plötzlicher Abzug dieser Fördergelder den Aufschwung  behindern und die Wirtschaft sogar erneut in eine Rezession stürzen könnte.

Gemäß dem Bericht bleiben in Bezug auf Immobilienarten die Qualität des Standorts, des Gebäudes und des Mieters weiterhin die Hauptkriterien. „Innenstadtbüros, Shopping-Center und „High-Street-Retail“ waren in 2010 die favorisierten gewerblichen Investitionen. Wohneigentum steht ebenfalls hoch im Kurs, fügt Kees Hage hinzu. Obwohl traditionelle Immobilien noch immer bevorzugt werden, zeigen Nischensektoren einige Anreize: Studentenunterkünfte, private Lagerräume, Altenheime, Sozialunterkünfte, Gesundheitseinrichtungen und Infrastrukturen“. Die „grünen“ Bauten jedweder Art gewinnen ebenfalls an Bedeutung, insbesondere seit der Einführung energetischer Wirkungsgrade für Gebäude durch die Europäische Union. Ein Teilnehmer der Studie folgert: „Dies sollte unsere Geschäfts-DNA bald prägen".

Wir kommen langsam aus der Talsohle heraus, und es hängt von der Positionierung der europäischen Wirtschaft im globalen Wettbewerb ab, inwieweit sich die Werte erholen werden“. Kees Hage erläutert, dass Deutschland insbesondere aufgrund seiner großen Wirtschaft in Bezug auf Investitionen und Entwicklungen im Allgemeinen positiver wahrgenommen wird als andere Länder. Bei den Städten haben sich München und Hamburg ebenso wie in 2009 an der Spitze des Rankings 2010 platziert. „Die breitgefächerte wirtschaftliche Basis und das solide Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage haben die Märkte dieser Städte schützen und daraus interessante Investitionen machen können“.

Paris nimmt in Bezug auf die Aussichten für bestehende Portfolien den dritten Platz ein und verdrängt teils aufgrund seiner breiteren wirtschaftlichen Grundlage und seiner geringeren Abhängigkeit vom Finanzdienstleistungssektor somit London. Kees Hage fügt hinzu, dass „die Teilnehmer den niedrigen Leerstand in der französischen Hauptstadt betonen, was ihr Ranking bei den Investitionsmöglichkeiten und in gewissem Maße bei den Entwicklungschancen erhöht“.

David Roach, der sich insbesondere auf Investoren aus dem Vereinigten Königreich konzentriert, erklärt, dass sich der Eindruck der Investoren von London seit 2009 vorwiegend aufgrund einer Marktkorrektur durch die Zuführung von Geldern aus dem Mittleren Osten und Asien „deutlich verbessert“ hat. „In 2010 platziert sich die Stadt an vierter Stelle für Investitionen in Bestandsimmobilien und an erster Stelle für die Möglichkeiten von Neuakquisitionen. Die Akquisitionen beziehen sich vor allem auf Büroräume, die von nahezu der Hälfte der Teilnehmer als favorisierte Art der Kapitalanlage genannt werden“.

Trotz einer gewissen Skepsis in Bezug auf die Entwicklung des Aufschwungs geben einige Teilnehmer an, dass sie soweit weiterhin auf London setzen, um für 2011 Entwicklungspläne zu entwerfen, wenn nicht sogar schon für dieses Jahr.

Wie das restliche Europa hat auch Luxemburg in 2009 ein schwieriges Jahr erlebt und die Aussichten für 2010 sind zwingend durch die weltweite Krise beeinträchtigt, die alle Tätigkeitsbereiche und insbesondere den Finanzsektor betrifft. Auch wenn die Anmietung von Bürogebäuden im Vergleich zum Rekordvolumen in 2008 deutlich rückläufig war, haben sich die Investitionen auf einem mit 2008 vergleichbaren Niveau stabilisiert. Der luxemburgische Markt für Büroimmobilien zeichnet sich in 2009 durch einen ansteigenden Leerstand aus, der jedoch innerhalb der Europäischen Union weiterhin am niedrigsten ist. Die Höhe der Mieten hat sich insgesamt deutlich vermindert und verbleibt unter einem Druck, der in 2010 weiterhin zu einem Sinken führt.

Die anderen Märkte in den Top Ten des „Emerging Trends Rankings“ für Bestandsimmobilien sind Wien, Mailand, Istanbul, Berlin, Rom und Frankfurt.

Amaury Evrard zieht den Schluss, dass die allgemeine Tendenz vor dem aktuellen Hintergrund darin besteht, in vertraute Märkte zu investieren. „Transparenz und Liquidität ziehen Investoren an.Dies gilt insbesondere für London und Paris. Diese Märkte interessieren außereuropäische Investoren sehr stark. In 2010 wird es darum gehen, auf Sicherheit zu setzen und kein Risiko einzugehen".

Die Top-Tipps der Teilnehmer an der Studie:

  • Keep it simple: Entscheiden Sie sich für „einfache Immobilieninvestitionen, die jeder versteht“.
  • Best buys: „Core“ is King”. Bleiben Sie bei Coreanlagen und Core  Plus-Anlagen in großen liquiden Märkten.
  • Entwicklung: Für alle Risikofreudigen, kaufen Sie Land und starten Sie eine Projektpipeline. Wohnimmobilien zum Mieten und Kaufen sowie gemischt genutzte Immobilien sind die besten Sektoren.
  • Setzen Sie auf Schulden: Kaufen Sie eine Bank oder gründen Sie eine Kreditplattform. Jetzt ist der beste Zeitpunkt für Immobilienkredite, sofern Sie die richtigen Grundvoraussetzungen und keine Altlasten haben. Die Werte sind niedrig und „die Differenz zwischen Kapitalbeschaffungskosten und Kreditmargen ist gut – besser geht’s nicht“. Oder kaufen Sie problembehaftete Kredite mit Abschlägen.
  • Grün ist gut: Immobilien stehen an erster Stelle beim Kampf gegen den Klimawandel. „Jetzt ist klar, dass Umwelt- und soziale Verantwortung mit Wirtschaft verbunden ist. Es besteht Handlungsbedarf.“

Redaktionshinweise:

  1. PricewaterhouseCoopers Luxembourg (www.pwc.com/lu) beschäftigt mehr als 1950
    Mitarbeiter aus 53 verschiedenen Ländern. PricewaterhouseCoopers (www.pwc.com) bietet branchenfokussierte Prüfungs-, Steuer- und Beratungsdienste an, um öffentliches Vertrauen aufzubauen und eine Wertsteigerung für Kunden und deren Interessenpartner zu erzielen. Mehr als 163.000 Mitarbeiter in 151 Ländern teilen in unserem internationalen Verbund ihr Denken, ihre Erfahrungen und Lösungen und kooperieren bei der Entwicklung innovativer Perspektiven und praktischer Empfehlungen.
  2. Der Name "PricewaterhouseCoopers" bezieht sich auf alle unabhängigen Unternehmen, die dem Netzwerk von PricewaterhouseCoopers International angeschlossen sind. Jedes dieser Unternehmen ist ein separater, unabhängiger Rechtsträger.
  3. Das Urban Land Institute (www.uli.org) ist ein weltweites, gemeinnütziges Bildungs- und Forschungsinstitut, das von seinen Mitgliedern unterstützt wird. Die Mission ist, die Führung für verantwortungsvolle Landnutzung zu übernehmen und florierende Gemeinschaften weltweit zu schaffen und zu erhalten. Das Institut wurde 1936 gegründet und repräsentiert mit fast 33.000 Mitgliedern alle Facetten der Landnutzung und Entwicklungsbereiche.