Subprime Krise beeinflusst auch deutsche Banken in Luxemburg

Zum fünfundzwanzigstenmal hat PricewaterhouseCoopers seine Analyse zum Thema « Auswertung der Jahresabschlüsse 2007 der deutschen Eurobanken in Luxemburg » veröffentlicht.

Die Studie « Auswertung der Jahresabschlüsse 2007 der deutschen Eurobanken in Luxemburg », welche die Jahresabschlüsse der luxemburgischen Tochtergesellschaften deutscher Banken vergleicht und die Entwicklung des Banksektors in Luxemburg kommentiert, wird diesen Mittwoch, 6. August, von Philippe Sergiel und Thomas Schiffler, beide Partner bei PwC Luxemburg, veröffentlicht.

Die Anzahl der deutschen Banken hat sich in 2007 zum Jahresende leicht von 44 auf 43 Banken verringert (Verlagerung des Hauptsitzes der Banque Sal. Oppenheim von Deutschland nach Luxemburg); davon sind 27 (Vorjahr 28) veröffentlichungspflichtige Tochterbanken und 16 (Vorjahr 16) Niederlassungen deutscher Banken, die keinen gesonderten Jahresabschluss veröffentlichen. Die Bilanzsumme der 16 Niederlassungen beläuft sich auf EUR 67,2 Mrd (Vorjahr EUR 65,8 Mrd); sie verfügen über ein weiter gestärktes Dotationskapital von EUR 1.341,4 Mio (Vorjahr EUR 1.284,8 Mio).

Die Gesamtbilanzsumme der deutschen Tochterkreditinstitute ist gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken. Im Stichtagsvergleich verringerte sich die Bilanzsumme um EUR 4,2 Mrd bzw. 1,4%. Das aus den Jahresendzahlen errechnete Durchschnittsvolumen der bilanzwirksamen Geschäfte stieg dagegen um 1,8% (Vorjahr: + 9,3%). Der Rückgang der Aktiva ist im Wesentlichen auf einen Rückgang bei den Forderungen an Kreditinstitute (- EUR 9,2 Mrd bzw. 7%) sowie der sonstigen Aktiva (- EUR 0,8 Mrd bzw. 7,4%) zurückzuführen, der durch einen Anstieg der Forderungen an Kunden (+ EUR 5,7 Mrd bzw 9,7%) teilweise kompensiert wurde. Der stärkste Rückgang der Bilanzsumme entfällt auf die Gruppe der Landesbanken mit einem Rückgang von insgesamt EUR 14 Mrd bzw. 13,4%. Den stärksten Anstieg der Bilanzsumme in absoluten Beträgen haben die Gruppe der Großbanken mit EUR 5,1 Mrd bzw. 3,4% und die Gruppe der Pfandbriefbanken mit EUR 3,5 Mrd bzw. 8% zu verzeichnen. Grundsätzlich ist keine einheitliche Tendenz einer Ausweitung oder Verringerung der Bilanzsumme zu erkennen, da bei 17 Banken die Bilanzsumme um insgesamt EUR 13,7 Mrd zu- und bei 9 Banken die Bilanzsumme um insgesamt EUR 17,9 Mrd abnahm.

Bei der Analyse der Ertragslage des Geschäftsjahres 2007 ist zunächst festzustellen, dass der Rückgang im Gesamtergebnis aller luxemburgischen Banken um 20% auf EUR 4.542 Mio gegenüber dem Rekordjahr 2006 neben den schwierigen Marktbedingungen auch einer Reihe von positiven Sondereffekten in 2006, im Wesentlichen aus Beteiligungsverkäufen, geschuldet ist. Diesem Rückgang steht im deutschen Teilsegment eine deutliche Reduktion des Gesamtüberschusses um 25% auf EUR 1.138,1 Mio gegenüber; damit wurden die Rekordergebnisse der letzten drei Geschäftsjahre in 2007 nicht mehr erreicht. Der Ergebnisrückgang erklärt sich aus verschiedenen Komponenten. Der Zinsüberschuss ist, allerdings beeinflusst durch den Wegfall von außerordentlichen Effekten des Vorjahres, in 2007 mit einem Rückgang von 12,2% deutlich hinter dem Markt mit einer Steigerung um 18,5% zurück geblieben. Der Provisionsüberschuss konnte demgegenüber um EUR 89 Mio auf EUR 720 Mio gesteigert werden; damit trugen die deutschen Banken überproportional mit 38% zum Anstieg des Gesamt-Provisionsüberschuss bei. Der Saldo der sonstigen betrieblichen Erträge und Aufwendungen ist deutlich gestiegen; dieser Zugewinn wurde jedoch durch die Verdreifachung der Risikovorsorgeaufwendungen (EUR 406 Mio nach EUR 130 Mio) sowie die Halbierung des Nettoergebnisses aus Finanzgeschäften (EUR 76 Mio nach EUR 158 Mio) deutlich überkompensiert. Beide Posten sind bei einer Reihe von Banken massiv von den Auswirkungen der Subprime-Krise auf die Bewertung der Wertpapierbestände betroffen. Die sonstigen Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung der deutschen Banktöchter weisen im Vergleich zum Gesamtmarkt keine signifikanten Abweichungen auf. Die deutschen Banken haben somit 25,3% des um die Niederlassungsergebnisse bereinigten Jahresüberschusses 2007 des Bankenplatzes erwirtschaftet.

Der Zinsüberschuss hat in 2007 mit einem Wert von EUR 1.327,7 Mio (- EUR 184,3 Mio bzw. 12,2%) den historischen Höchstwert des Vorjahres nicht erreicht. Der Zinsüberschuss des Vorjahres war allerdings durch eine Reihe von außerordentlichen positiven Effekten beeinflusst. Unter Außerachtlassung dieser Effekte ergibt sich auch im deutschen Teilsegment eine Verbesserung der Zinsmarge. Beim Provisionsüberschuss ist nach einer Phase der Abschwächung bereits im vierten Jahr in Folge ein Anziehen um EUR 89 Mio bzw. 14,1% auf EUR 720 Mio zu verzeichnen.

Das Ergebnis aus Finanzgeschäften ist neben den Handelsergebnissen im Wesentlichen geprägt von den Bewertungsergebnissen der im Liquiditätsbestand gehaltenen Wertpapiere. Es hat sich in der Gesamtbetrachtung erneut deutlich um EUR 81,3 Mio bzw. 51,6% auf EUR 76,4 Mio verringert. Ursächlich für diesen Ergebnisrückgang ist im Wesentlichen die Subprime-Krise mit ihren allgemeinen Auswirkungen auf die Liquiditätsversorgung an den Kapitalmärkten sowie die Bewertungskurse. Das Pricing von bestimmten Wertpapieren, insbesondere Verbriefungsstrukturen, war und ist nur noch aufgrund von gestellten Kursen möglich, die zu erheblichen Wertabschlägen führten. Zusätzlich führten die gestiegenen Credit-Spreads zu Bewertungsverlusten von Standard-Wertpapieren bonitätsmäßig einwandfreier Adressen. Einige Banken haben ihre Wertpapierbestände der Liquiditätsreserve daher ganz oder teilweise in den Anlagebestand umgegliedert, um von der dort möglichen Anwendung des gemilderten Niederstwertprinzips zu profitieren und die Bestände nur im Falle von dauerhaften Wertminderungen abschreiben zu müssen. Diese Banken nennen in ihren Anhängen die – im Wesentlichen aufgrund der Umgliederung in den Anlagebestand – ersparten Niederstwertabschreibungen mit einem Gesamtbetrag von EUR 378 Mio.

Trotz konsequent fortgeführten Kostenmanagements erhöhten sich die Personal- und Sachaufwendungen - auch aufgrund umfangreicher Investitionen in EDV und Organisation aufgrund bilanz-, steuer- und aufsichtsrechtlicher Anforderungen, zu nennen sind hier weiterhin IFRS, Basel II, Compliance sowie MiFid - deutlich um EUR 37,9 Mio oder 6,3%. Der Saldo der sonstigen betrieblichen Erträge und Aufwendungen stieg um EUR 116,7 Mio bzw. 50,1% auf EUR 349,8 Mio an. Maßgeblich waren hier einige Sondereffekte, i. w. aus Beteiligungsverkäufen sowie Steuererstattungen. Daneben hat eine Reihe von Banken Möglichkeiten zur Ergebnisverbesserung in Form von Rückstellungsauflösungen in unterschiedlichem Umfang genutzt.

Die deutschen Banktöchter haben die Risikovorsorge auf Kredite, Beteiligungen und Wertpapiere des Finanzanlagevermögens mit einer Nettozuführung von EUR 405,7 Mio deutlich aufgestockt (2006: Zuführung EUR 130,3 Mio; 2005: Auflösung EUR 7,6 Mio). Die Risikovorsorge wird in 2007 eindeutig von den Auswirkungen der Subprime-Krise bestimmt. Kompensiert wurden die erforderlichen Wertberichtigungen bei einigen Banken durch die vollständige oder teilweise Auflösung von Sammelwertberichtigungen bzw. durch den Verzicht auf weitere Dotierungen.

Das Betriebsergebnis vor Steuern und vor dem Saldo sonstiger Posten liegt mit EUR 1.412,2 Mio um EUR 375,5 Mio bzw. 21% unter dem Vorjahresergebnis. Der Ertragsteueraufwand beträgt 2007 insgesamt EUR 274,1 Mio und ist in allen Bankengruppen – mit Ausnahme der Landesbanken – gestiegen; die durchschnittliche Steuerquote ist von 15,6% auf 19,4% gestiegen. Dabei bestehen auf Einzelinstitutsebene jedoch erhebliche Abweichungen. Nach Steuern wird ein Jahresergebnis von EUR 1.138,1 Mio (Vorjahr EUR 1.518 Mio) ausgewiesen, das von 15 Banken mit insgesamt EUR 878,5 Mio als Dividende ausgeschüttet werden soll.

Die Studie "Auswertung der Jahresabschlüsse 2007 der deutschen Eurobanken in Luxemburg" ist in deutscher Sprache auf www.pwc.com/lu oder auf Anfrage bei PricewaterhouseCoopers Luxemburg verfügbar (publications@lu.pwc.com).


Redaktionshinweis:

PricewaterhouseCoopers Luxembourg (www.pwc.com/lu) beschäftigt nahezu 1600 Mitarbeiter aus über 35 verschiedenen Ländern. PricewaterhouseCoopers (www.pwc.com) bietet branchenfokussierte Prüfungs-, Steuer- und Beratungsdienste an, um öffentliches Vertrauen aufzubauen und eine Wertsteigerung für Kunden und deren Interessenpartner zu erzielen. Mehr als 146.000 Mitarbeiter in 150 Ländern teilen in unserem internationalen Verbund ihr Denken, ihre Erfahrungen und Lösungen und kooperieren bei der Entwicklung innovativer Perspektiven und praktischer Empfehlungen.

Der Name "PricewaterhouseCoopers" bezieht sich auf das Netzwerk von Unternehmen, die der PricewaterhouseCoopers International Limited angeschlossen sind. Jedes dieser Unternehmen ist ein separater, unabhängiger Rechtsträger.